Die 1-Million-Euro-Lücke in der Unternehmens-Nachfolge
119 Nachfolger, Investoren und Dienstleister zeigen, warum Kapital und Searcher (Käufer in spe) im DACH-Nachfolgemarkt aneinander vorbei suchen, und wo der eigentliche Wert liegt.
Zum ersten Mal hat New Mittelstand seine Community befragt: Nachfolger, Investoren und Dienstleister, die den DACH-Markt für externe Unternehmensnachfolge aktiv gestalten. 119 Personen haben in der Q2-Welle (16. April bis 15. Juni 2026) vollständig geantwortet. Das Ergebnis zeichnet das Bild eines Marktes, der voller Energie steckt, und an einer entscheidenden Stelle nicht zusammenpasst.
Knapp zwei Drittel der Antwortenden sind selbst auf der Suche nach einem Unternehmen (76 von 119). Dazu kommen 18 Dienstleister, 15 Investoren, 8 bereits erfolgreiche Übernehmer und 2 Inhaber, die über ihre eigene Nachfolge nachdenken, eine engagierte, gut vernetzte Gruppe, die den Markt heute vorantreibt.
01 · Die Finanzierungs-LückeInvestoren suchen größere Zielunternehmen als Searcher
Der auffälligste Befund dieser Welle ist eine Größen-Diskrepanz. 63 % der Searcher zielen auf Unternehmen unter 1 Mio. € EBITDA, 43 % allein auf den Korridor 500.000 bis 1 Mio. €. Auf der anderen Seite des Tisches sitzt das Kapital mit ganz anderen Vorstellungen: 93 % der befragten Investoren haben ihren Sweet Spot (bevorzugte Größenordnung) bei 1 Mio. € EBITDA und darüber, 60 % sogar zwischen 2,5 und 5 Mio. €.
unter 1 Mio. € EBITDA
ab 1 Mio. € EBITDA
Dazwischen klafft eine Lücke. Tausende kleinere Mittelständler, die typischen Betriebe mit einem halben bis einer Million EBITDA, deren Inhaber in den Ruhestand gehen, passen genau in das Suchraster der Nachfolger, aber kaum in das Investitionsraster der Fonds und Family Offices. Wer diese Lücke schließt, schöpft den eigentlichen Wert im Markt.
02 · Der EngpassDas größte Problem ist der Deal Flow, nicht der Preis
Man würde erwarten, dass Geld die Suche bremst. Tatsächlich nennen 51 % der Searcher „Deal Flow“ (den Strom passender Übernahmekandidaten) als ihre größte Hürde. Erst danach kommen „Bewertungen zu hoch“ (39 %) und „Finanzierung unklar“ (37 %).
Das Bild eines früh im Prozess stehenden, hochmotivierten Felds bestätigt sich: 54 % suchen aktiv, aber nur 11 % haben ein konkretes Target identifiziert und 17 % stecken in LOI oder Due Diligence. Der Engpass liegt ganz vorn im Trichter, beim Finden, nicht beim Abschließen.
„Matching statt Mangel: Der Markt ist pragmatischer und self-funded-getrieben, als es die reine Fonds-Erzählung vermuten lässt.“
03 · Das ProfilDer deutsche Weg ist self-funded
Die öffentliche Erzählung über „Entrepreneurship through Acquisition“ dreht sich oft um klassische Search Funds mit Investorenpool. Die Daten erzählen eine andere Geschichte: 70 % der Searcher gehen self-funded vor (aus eigenem Kapital, ohne Investorenfonds), nur 13 % über ein Search-Fund-Modell.
Das erklärt, warum Finanzierung der mit Abstand größte Dienstleistungsbedarf ist: 59 % der Searcher brauchen Zugang zu Bank- und Akquisitionsfinanzierung, weit vor Recht (39 %), Steuer (39 %) und M&A-Beratung (28 %). Und auf der Kapitalseite ist die Stimmung eindeutig: 14 von 15 Investoren wollen ihr Engagement 2026 ausbauen. Es mangelt nicht an Investitionsbereitschaft, sondern an passenden, vermittelbaren Unternehmen in der richtigen Größenordnung.
04 · Zwei WegeSelf-funded und Search Fund ticken unterschiedlich
Hinter den 70 % self-funded verbergen sich zwei Lager mit unterschiedlichen Sorgen. Wer self-funded kauft, ringt vor allem mit dem Preis (Bewertungen zu hoch: 43 %) und der Finanzierung (34 %). Search-Funder dagegen nennen überdurchschnittlich oft Zeitmangel (40 %) und fehlende Kontakte (30 %), Kapital im Rücken, aber Zeit und Netzwerk sind knapp. Deal Flow eint beide (rund 60 %).
05 · Wo alle hinschauenSektor-Wettbewerb: viel Andrang, wo es wenig gibt
Fast zwei Drittel der Searcher zielen auf Dienstleistungen, viele auch auf produzierendes Gewerbe und Handwerk. Wie stark das vom realen Unternehmensbestand abweicht, zeigt der direkte Vergleich mit der KfW-Branchenstruktur:
Bei Dienstleistungen schauen die Searcher noch etwas stärker hin, als es dem Bestand entspricht (64 % vs. 49 %), bleiben aber im größten Feld. Ganz anders im produzierenden Gewerbe: 38 % zielen darauf, obwohl nur 5,5 % aller Mittelständler dort zu Hause sind, rund siebenmal so viel Andrang wie Bestand. Auch Handel ist mit 22 % gegenüber 14,5 % überlaufen, Bau mit 9 % gegenüber 10 % ausgewogen. Wer auf Dienstleister oder Nischen wie Gesundheit und IT setzt, trifft auf mehr Auswahl und weniger Konkurrenz.
06 · Die CommunityEine Community mit Bindung
Über alle Rollen hinweg vergibt die Community dem New-Mittelstand-Netzwerk einen Wert von 8,0 von 10, bei 47 % Promotern. Und der New Mittelstand Summit 26 wirkt als Ankerpunkt: 48 % waren 2026 dabei, weitere 39 % wollen beim nächsten Mal, 87 % sind damit Summit-affin.
Ein Matching-Markt
Drei Linien ziehen sich durch diese Barometer-Welle zur externen Unternehmensnachfolge. Erstens, Matching statt Mangel: Searcher, Kapital und Betriebe sind da, sie finden nur zu selten in der passenden Größe zueinander. Zweitens: Der DACH-Nachfolgemarkt ist pragmatischer und self-funded-getrieben, als es die reine Fonds-Erzählung vermuten lässt, mit entsprechend hohem, frühem Finanzierungsbedarf. Drittens: Die Community ist warm, aktiv und bereit, sich zu vernetzen.
Die nächste Barometer-Welle (26Q3) startet im September. Wir werden dann sehen, ob sich die Finanzierungs-Lücke verschiebt, und ob das ausbaufreudige Kapital seine Targets findet.
Beim nächsten Barometer dabei sein
Trag Dich ein, die Ergebnisse der Q3-Welle bekommst Du wieder zuerst.
Methodik: Selbstselektierte Online-Befragung der New-Mittelstand-Community, 119 vollständige Antworten, Erhebung 16.04.–15.06.2026. Segmentwerte für Investoren (15), Dienstleister (18) und Übernehmer (8) sind aufgrund kleiner Fallzahlen als Tendenz zu lesen. Summen können rundungsbedingt von 100 % abweichen.
Häufige Fragen zur externen Unternehmensnachfolge
Die wichtigsten Zahlen aus dem New Mittelstand Barometer 2026, kompakt beantwortet.
Wie finanzieren Nachfolger einen Unternehmenskauf in der DACH-Region?
70 % der Searcher gehen self-funded vor, also aus eigenem Kapital ohne Investorenfonds. Nur 13 % nutzen ein klassisches Search-Fund-Modell, und 59 % brauchen Bank- und Akquisitionsfinanzierung (New Mittelstand Barometer 2026, n = 119).
Was ist die größte Hürde bei der externen Unternehmensnachfolge?
Der Deal Flow: 51 % der Searcher nennen das Finden passender Unternehmen als größte Hürde, noch vor zu hohen Bewertungen (39 %) und ungeklärter Finanzierung (37 %).
Welche Unternehmensgröße suchen Nachfolger und Investoren?
63 % der Searcher suchen Unternehmen unter 1 Mio. € EBITDA, während 93 % der befragten Investoren erst ab 1 Mio. € einsteigen. Diese Größen-Differenz ist die Finanzierungs-Lücke im DACH-Nachfolgemarkt.