Die versteckte Charge – Warum Rechtsklarheit Unternehmenswerte rettet

Die größten Wertvernichter in Nachfolgetransaktionen sind selten strategische Fehler. Sie stecken im Kleingedruckten: in Gewährleistungslücken, ungeklärten Rechtsverhältnissen und stillen Belastungen, die erst nach dem Kauf sichtbar werden. Dominik Moser, Partner bei Advant Beiten, kennt diese Muster aus der täglichen Transaktionspraxis. Seine Botschaft: Rechtsklarheit schützt nicht nur vor Risiken – sie schafft aktiv Unternehmenswert.

1. Warum scheitern Nachfolgen schon vor dem Kauf?

Im Rahmen der rechtlichen Due Diligence stoßen wir immer wieder auf Themen, die man bei guter Vorbereitung auf der Verkäuferseite, einfach vermeiden könnte. Mit einem frühzeitigen “Exit-Readiness Check” könnten diese Themen frühzeitig identifiziert und behoben werden, womit auch eine Wertschöpfung verbunden sein kann. Das hätte nicht nur den Vorteil, dass diese Themen die Verhandlungsphase einer Transaktion nicht belasten, sondern können auch stark unterschiedliche Kaufpreisvorstellungen verringern, die sonst möglicherweise eine Unternehmensnachfolge schon in der Frühphase zum Scheitern bringen können. Da wir als Rechtsberater üblicherweise erst “ins Spiel” kommen, wenn eine weitgehende kommerzielle Einigung getroffen wurde, sehen wir häufig auch in der Endphase der Verhandlungen noch Diskussionsthemen, die mit einer hohen Emotionalität auf der Verkäuferseite verbunden sind. Solche Themen führen dann zwar selten zum Scheitern der Unternehmensnachfolge, sind aber dennoch mit Einfühlungsvermögen und Behutsamkeit vom Käufer zu behandeln.

2. Wie viel Kapital braucht eine funktionierende Nachfolge-Ökonomie?

Nach unserer Wahrnehmung findet sich aktuell trotz der makroökonomischen Unsicherheiten ausreichend Finanzierungskapital sowohl auf der Eigenkapital- wie auch der Fremdkapitalseite, um diejenigen Unternehmen, für die eine Nachfolge sinnvoll ist, Nachfolger zu finden. Das finde ich schon ein sehr positives Signal und ein wichtiger Faktor, weil dadurch vielen Nachfolgekandidaten ermöglicht wird, eine Nachfolge umzusetzen. Wie auch an anderer Stelle schon erwähnt, ist aber auch erforderlich, dass auf der Seite des Zielunternehmens hinreichend "Kapital" im nichtmonetären Sinn vorhanden ist (z.B. qualifiziertes Personal, Unternehmensprozesse, aber auch entsprechende Dokumentation), mit der ein Nachfolger das Unternehmen fortführen kann. Für diese Seite kann der Unternehmensinhaber entscheidenden Einfluss auf eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge nehmen.

„Mit einem frühzeitigen Exit-Readiness Check könnten diese Themen frühzeitig identifiziert und behoben werden, womit auch eine Wertschöpfung verbunden ist.“

Dominik Moser (Advant Beiten)

3. Was sucht der Mittelstand wirklich?

Aus meiner Sicht gibt es hier keine pauschale Antwort. Jeder Unternehmensinhaber hat seine eigene Matrix aus Vorstellungen und Wünschen für die Nachfolge seines Unternehmens. Nach unserer Erfahrung geht es sehr selten nur um die reine Erlösmaximierung ohne Rücksicht darauf, was aus dem Unternehmen werden wird. Die soften Faktoren, auch wenn diese oft unangesprochen bleiben oder jedenfalls äußerst selten im Kaufvertrag Eingang finden, sind sehr individuell. Um eine Antwort mal von der anderen Seite zu versuchen, ein Nachfolger sollte – trotz des Generationenunterschiedes – dem Unternehmensinhaber auf Augenhöhe begegnen können und einen kongruenten Wertekanon mitbringen.

Vielen Dank an dieser Stelle an Dominik Moser für seine Perspektive auf die drei Leitfragen. Diese diskutieren wir vertieft am New Mittelstand Summit 2026. In den kommenden Wochen teilen wir hier sowie auf LinkedIn weitere Partner-Stimmen, um mit allen Interessierten den Diskurs zur Nachfolge-Ökonomie zu führen.

Wie siehst Du das? Welche Rolle spielen die weichen Faktoren in Deinem Unternehmen bei der Wahl eines Nachfolgers – und wie transparent sind diese im Kaufvertrag abgebildet? Teile Deine Perspektive hier in den Kommentaren oder diskutiere mit uns auf LinkedIn #NewMittelstand #NMS26

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