Abhängigkeiten auflösen, Prozesse stabilisieren: Warum Eigenkapital der Schlüssel zur erfolgreichen Nachfolge ist

Wer sein Unternehmen nicht loslassen kann, hat es faktisch schon verloren. Das ist nicht als Provokation gemeint, sondern ist das Resultat der nüchternen Analyse von Fabio Mathias nach Jahren in der Mittelstandsberatung. Bei HCM hat er erlebt, wie emotionale Blockaden, fehlende Kapitalstruktur und inhaber-zentrierte Prozesse Nachfolgen scheitern lassen. Häufig noch bevor der erste Käufer an den Tisch kommt.

1. Warum scheitern Nachfolgen schon vor dem Kauf?

Viele Inhaber beginnen viel zu spät mit den Nachfolgeplanungen. Das führt oft zu unvollständigen Unterlagen und zu optimistischen Planungen. Zudem sind die Abhängigkeiten vom Inhaber häufig zu stark, was potenzielle Käufer und Finanzierer abschreckt. Auch emotionales „Nicht-Loslassen“ kann Zukunftsentscheidungen negativ beeinflussen und potenzielle Käufer abschrecken, da diese merken, dass neue Prozessstrukturen blockiert werden. Darüber hinaus gibt es häufig Finanzierungslücken auf Käuferseite, die durch hohe Eigenkapitalanforderungen und die Unsicherheit der Banken verursacht werden.

2. Wie viel Kapital braucht eine funktionierende Nachfolge-Ökonomie?

Eine gesunde Nachfolge-Ökonomie steht und fällt mit ausreichender Finanzierung. Vor allem Eigenkapital und eigenkapitalähnliche Mittel sind dabei auf beiden Seiten notwendig, um gemeinsame Ziele umsetzen und erreichen zu können (>20 % erhöhen die Erfolgschancen). Denn dies schafft Kredibilität bei Banken und anderen Finanzierungspartnern für den weiteren Finanzierungsrahmen, sowie Kalkulierbarkeit und Vertrauen untereinander.

"Eine gesunde Nachfolge-Ökonomie steht und fällt mit ausreichender Finanzierung. Vor allem Eigenkapital und eigenkapitalähnliche Mittel sind dabei auf beiden Seiten notwendig, um gemeinsame Ziele umsetzen und erreichen zu können."

Fabio Mathias (HCM Human Consult Management GmbH & Co. KG)

3. Was sucht der Mittelstand wirklich?

Mittelständische Unternehmer suchen bei potenziellen Nachfolgern vor allem eine persönliche Bindung sowie unternehmerisches Verständnis, beispielsweise in Form von Hands-on-Erfahrung oder einem technischen Hintergrund. So können sie sicher sein, dass ihr „Baby“ in guten Händen ist. Darauf lässt sich in der Regel aufbauen, da so ein emotionales und pragmatisches Band entstehen kann, das auch den Entschluss zu Veränderungen und Kompromissen ermöglicht. Geschätzt werden aber auch langfristige Planungshorizonte bei finanzieller Solidität.

Vielen Dank an dieser Stelle an Fabio Mathias für seine Perspektive auf die drei Leitfragen. Diese diskutieren wir vertieft am New Mittelstand Summit 2026. In den kommenden Wochen teilen wir hier sowie auf LinkedIn weitere Partner-Stimmen, um mit allen Interessierten den Diskurs zur Nachfolge-Ökonomie zu führen.

Wie siehst Du das? Wo erlebst Du die größten Blockaden im Nachfolgeprozess – bei den Inhabern oder bei den Käufern? Und: Welche Eigenkapitalquote hältst Du für realistisch? Teile Deine Perspektive hier in den Kommentaren oder diskutiere mit uns auf LinkedIn #NewMittelstand #NMS26

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