Die Nachfolge-Lücke ist eine Eigenkapital-Lücke
136 Nachfolger, Investoren und Dienstleister in der zweiten Barometer-Welle: Drei von vier Searchern wollen größer übernehmen, als sie allein stemmen können.
Im Sommer hat das erste New Mittelstand Barometer eine Lücke im DACH-Markt für externe Unternehmensnachfolge offengelegt: Searcher (Käufer in spe) suchen kleiner, als das Kapital investieren will. Die zweite Welle sollte klären, warum. Jetzt liegt die Antwort vor, und sie verändert den Blick auf den Markt.
136 Personen haben zwischen dem 1. September und Anfang Oktober vollständig geantwortet, 14 Prozent mehr als in Welle 1. Zwei Drittel davon sind zum ersten Mal dabei: 87 Searcher, 22 Dienstleister, 13 Übernehmer, 12 Investoren und 2 Inhaber. Das Barometer bleibt damit die größte Umfrage zur externen Unternehmensnachfolge im DACH-Raum, von self-funded bis Search Fund.
01 · Die Größen-FrageDrei von vier Searchern bremst eine Hürde, nicht der Wunsch
Neu in dieser Welle war die direkte Nachfrage: Was hält dich von größeren Zielunternehmen ab? Das Ergebnis: 75 % der Searcher nennen mindestens eine Hürde, allen voran das Eigenkapital (51 %). Nur 25 % suchen bewusst klein, weil kleinere Unternehmen ihr Fokus sind.
für größere Übernahmen
reicht nicht
Damit bekommt die Finanzierungs-Lücke aus Welle 1 (63 % suchten unter 1 Mio. € EBITDA, 93 % der Investoren wollten darüber einsteigen) ihre Erklärung: Das kleine Suchraster ist für die meisten keine Vorliebe, sondern eine Kapazitätsgrenze. Wer Eigenkapital-Partner, Co-Investoren oder Teams zusammenbringt, verschiebt das Raster nach oben.
02 · Die Team-FrageJeder zweite sucht allein, fast jeder zweite will das nicht
Ebenfalls zum ersten Mal gefragt, angestoßen durch das Feedback aus der Community: Suchst du allein oder im Team? 56 % suchen allein, 28 % im Team, 16 % sind offen für beides. Zusammengenommen sucht also fast die Hälfte im Team oder kann es sich vorstellen.
Gerade die Solo-Searcher nennen die Hürden, gegen die Teams helfen: Eigenkapital (47 %), Risiko allein zu hoch (22 %), Kompetenzen allein nicht abgedeckt (20 %). Im Freitext wünscht sich ein Teilnehmer wörtlich einen „Mit-Nachfolger". Co-Search und Nachfolge-Teams sind damit einer der konkretesten Hebel, den diese Welle zeigt: Sie multiplizieren Eigenkapital, verteilen Risiko und verbreitern das Kompetenzprofil.
03 · Der Deal FlowAlle suchen dort, wo alle suchen
Deal Flow, der Strom passender Übernahmekandidaten, bleibt die meistgenannte Hürde (44 %). Die neue Kanal-Frage zeigt erstmals, woher die Targets kommen: 69 % suchen über Plattformen und Unternehmensbörsen, 60 % über M&A-Berater und Makler, 51 % über das eigene Netzwerk. Und dann kommt lange nichts.
Nur 6 % nutzen Steuerberater und Notare als Deal-Quelle, ausgerechnet die Berufsgruppe, die meist als Erste vom Übergabewunsch eines Inhabers erfährt. Der Kanal mit dem größten Vertrauensvorsprung beim Verkäufer ist im Suchalltag praktisch unbesetzt.
Wie stark sich Kanalarbeit auszahlt, zeigt die Kreuzung mit der zweiten neuen Frage, der Zahl passender Targets pro Monat: 61 % aller Searcher sehen höchstens zwei. Aber wer auf mindestens drei Kanälen sucht, bleibt fast nie leer aus.
„75 % der Searcher hält eine Hürde von größeren Übernahmen ab. Die häufigste hat einen Namen: Eigenkapital.“
04 · Der QuartalsvergleichEine neue, berufsbegleitende Searcher-Welle
Zum ersten Mal lässt sich das Barometer mit seiner Vorwelle vergleichen. Das deutlichste Delta bei identischer Frage: Zeitmangel hat sich als Hürde verdoppelt, von 17 % auf 34 %. Dazu passt das Profil der Welle: 60 % der Searcher suchen seit unter sechs Monaten, das Feld steht früher im Prozess als im Sommer (31 % in der Orientierung nach 18 %), und im Freitext beschreibt ein Teilnehmer die Suche „mit durch den Beruf bedingten zeitlichen Einschränkungen". In den Markt rollt eine frische, überwiegend berufsbegleitende Nachfolger-Generation.
Zwei weitere Verschiebungen: Der Search-Fund-Anteil steigt von 13 % auf 23 %, und zwar auch unter denen, die schon in Welle 1 geantwortet haben (6 von 25, also 24 %). Self-funded, also mit selbst finanzierter Suchphase, bleibt mit 62 % der Standard. Das Feld professionalisiert sich, ohne sein pragmatisches Profil zu verlieren. Und „Finanzierung unklar" geht von 37 % auf 25 % zurück: Das Problem ist nicht verschwunden, es hat durch die neue Größen-Frage einen präziseren Namen bekommen, Eigenkapital.
05 · Übersehene BranchenAlle wollen ins produzierende Gewerbe, kaum jemand in den Handel
Welle 1 hat gezeigt, dass sich der Suchfokus und der reale Unternehmensbestand nicht decken. Die granularere Branchen-Frage macht das Bild schärfer: 40 % zielen auf das produzierende Gewerbe, in dem nur 5,5 % der Mittelständler zu Hause sind, rund siebenfacher Andrang. Auf der anderen Seite ist der Handel vom Suchraster fast verschwunden: nur noch 10 % Fokus bei 14,5 % Bestand, nach 22 % im Sommer. Auch Bau (3 % Fokus, 10 % Bestand) und Logistik (5 %) bleiben dünn besetzt.
Für konträr denkende Searcher ist das eine Landkarte: Handel, Bau und Logistik bieten im Community-Suchraster derzeit den geringsten Wettbewerb, bei anhaltend hohem Angebot an Übergaben. Innerhalb der Dienstleistungen konzentriert sich fast alles auf unternehmensnahe B2B-Modelle (66 %); IT/Software haben 22 % im Raster, niemand sucht ausschließlich dort.
06 · Die KapitalseiteDas Kapital rückt näher an die Searcher, eine Tendenz
Auf der Investorenseite deutet sich eine bemerkenswerte Bewegung an, bei kleiner Basis (12 Antworten, Vorsicht geboten): 7 von 12 nennen jetzt einen Sweet Spot, also eine bevorzugte Zielgröße, unter 1 Mio. € EBITDA. In Welle 1 lag der Schwerpunkt noch klar darüber. Sollte sich das in der nächsten Welle bestätigen, bewegen sich beide Marktseiten aufeinander zu: Searcher wollen größer (01), das Kapital geht kleiner. 9 von 12 Investoren bauen ihr Engagement 2026 aus.
Dass der Weg funktioniert, zeigen die 13 Übernehmer der Stichprobe: 10 von ihnen haben ihre Suche in höchstens zwölf Monaten abgeschlossen, 10 im Segment unter 500.000 € EBITDA. Nach dem Kauf verschieben sich die Themen auf Liquidität, Mitarbeiter und Digitalisierung, und 8 von 13 planen bereits Zukäufe.
Das Barometer wächst über seinen Kern hinaus
Zwei Drittel der Teilnehmer sind neu dabei, nur 21 % waren auf dem New Mittelstand Summit 26 (in Welle 1: 48 %). Der Community-Wert liegt bei 7,4 von 10 (Welle 1: 8,0). Der Rückgang geht auf die Neuen zurück (7,1), die Wiederholer vergeben stabil 8,0. Das Barometer erreicht damit zunehmend Menschen jenseits des engsten Netzwerks, genau so entsteht ein Marktbild statt eines Vereinsbilds. 45 % wollen beim Summit 27 dabei sein.
Einordnung & AusblickVom Matching-Problem zum Kapazitätsproblem
Drei Linien ziehen sich durch diese zweite Welle zur externen Unternehmensnachfolge. Erstens: Die Lücke zwischen Suchenden und Kapital ist vor allem eine Eigenkapital- und Kapazitätslücke, Teams und Co-Investment sind die naheliegende Antwort. Die 44 %, die im Team suchen oder dafür offen sind, dürften dabei eher eine Untergrenze sein, ein Hinweis aus der Vorab-Runde mit den Teilnehmern: Wer eine Nachfolge nur im Team angehen würde, beginnt die Suche oft gar nicht erst und taucht in einer Befragung aktiver Searcher deshalb nicht auf. Zweitens: Deal Flow bleibt der Engpass, aber er ist ein Kanal-Problem, wer breiter sucht und Inhaber direkt anspricht, sieht messbar mehr Targets. Drittens: Eine neue, berufsbegleitende Searcher-Generation strömt in den Markt, mit wenig Zeit und hohem Tempo-Anspruch an alle, die sie begleiten.
Die dritte Barometer-Welle startet im Dezember. Dann zeigt sich, ob das Kapital wirklich in Richtung der Searcher rückt, und ob die neue Generation ihre ersten Targets gefunden hat.
Beim nächsten Barometer dabei sein
Trag dich ein, die Ergebnisse der nächsten Welle bekommst du wieder zuerst.
Methodik: Selbstselektierte Online-Befragung der New-Mittelstand-Community, 136 vollständige Antworten, Erhebung 01.09.–05.10.2026 (zweite Welle). Segmentwerte für Dienstleister (22), Übernehmer (13) und Investoren (12) sind aufgrund kleiner Fallzahlen als Tendenz zu lesen, Inhaber (2) werden nicht ausgewertet. Prozentwerte gerundet, Mehrfachauswahl summiert über 100 %. Branchen-Zeitreihen stehen unter Vorbehalt einer in Q3 erweiterten Optionsliste. Welle 1: 26Q2-Auswertung.
Häufige Fragen zur externen Unternehmensnachfolge
Die wichtigsten Zahlen aus der zweiten Welle des New Mittelstand Barometers (Q3/2026), kompakt beantwortet.
Warum übernehmen Nachfolger keine größeren Unternehmen?
75 % der Searcher nennen mindestens eine Hürde für größere Übernahmen, allen voran fehlendes Eigenkapital (51 %), gefolgt von schwer darstellbarer Fremdfinanzierung (23 %), zu hohem Allein-Risiko (21 %) und fehlender Kompetenzbreite (20 %). Nur 25 % suchen bewusst kleine Unternehmen (New Mittelstand Barometer Q3/2026, 87 Searcher).
Suchen Nachfolger allein oder im Team?
56 % der Searcher suchen allein, 28 % im Team und 16 % sind offen für beides. Fast die Hälfte sucht damit im Team oder kann es sich vorstellen, Teams verteilen Eigenkapital, Risiko und Kompetenzen auf mehrere Schultern.
Woher bekommen Nachfolger ihre Übernahme-Kandidaten?
69 % suchen über Plattformen und Unternehmensbörsen, 60 % über M&A-Berater und Makler, 51 % über das eigene Netzwerk, 38 % per Direktansprache. Nur 6 % nutzen Steuerberater und Notare, die meist als Erste vom Übergabewunsch erfahren. Wer auf mindestens drei Kanälen sucht, bleibt fast nie ohne passende Angebote.
Wie lange dauert eine Unternehmensnachfolge von der Suche bis zum Kauf?
Von den erfolgreichen Übernehmern der Befragung haben 10 von 13 ihre Suche in höchstens zwölf Monaten abgeschlossen. Unter den aktuell Suchenden sind 60 % seit weniger als sechs Monaten aktiv, eine neue, überwiegend berufsbegleitend suchende Nachfolger-Generation.