MBI nach Beratungsprojekt: Monthly mit Rüdiger H. Peter
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Rüdiger H. Peter stammt aus einer Unternehmerfamilie, gründete erfolgreich ein Startup im Logistikbereich und betrieb eine kleine Beratungsboutique. Auf der Suche nach einem langfristigen mittelständischen Engagement kam er mit einem rund 150 Jahre alten Unternehmen für individualisierte Metallverarbeitung in Kontakt: massive, maßgefertigte Gehäuse in einem sich konsolidierenden Markt mit hohem Bedarf an Modernisierung und Prozessinnovation.
Einstieg mit Augenmaß
Die Übernahme erfolgte zu einem vergleichsweise moderaten Kaufpreis; Immobilien und weitere Vermögenswerte wurden ausgegliedert, was den Einstieg erleichterte. Finanziert wurde über eine Kombination aus Eigenkapital und Verkäuferdarlehen. Zum Zeitpunkt der Übernahme beschäftigte der Betrieb rund 65 Mitarbeiter in der Fertigung. Bereits vor der Transaktion bestanden persönliche Kontakte zum Produktionsleiter und zum Konstrukteur, eine wertvolle Voraussetzung für einen reibungsloseren Übergang.
40 Projekte in 15 Monaten
In den ersten 15 Monaten nach der Übernahme setzte Rüdiger rund 40 Einzelprojekte um. Dazu gehörten der Wandel des Produktionssystems zu einer agilen Arbeitsweise nach dem Vorbild „Scrum für Metallverarbeitung" und die tiefgreifende Einführung von Microsoft Dynamics bis in die ERP-Strukturen. Der frühere, patriarchalisch geprägte Führungsstil wich einer ergebnisorientierten Führung mit klaren Rollen, Verantwortlichkeiten und Leistungskriterien. Dieser Wandel war für viele Mitarbeiter ungewohnt, wurde aber durch gezielte Kommunikation und persönliche Nähe aufgefangen: Regelmäßige offene Talk-Runden förderten den Dialog auf Augenhöhe, systemische Coaches und externe Trainer begleiteten den kulturellen Wandel.
Vertrauen schlägt den perfekten Zeitpunkt
Trotz dreifach geplatzter Notartermine gelang es Rüdiger, das Vertrauen des Verkäufers zu gewinnen. Ausschlaggebend waren neben der zeitlichen Dringlichkeit (der Inhaber war 75 Jahre alt) vor allem eine qualitativ starke Vision für die Zukunft des Unternehmens und der Rückhalt des Verkäufer-Sohns, der in der ausgegliederten Immobiliengesellschaft aktiv blieb. In der Phase vor der Übernahme brachte Rüdiger als Beirat erste strategische Impulse ein und entwickelte in gemeinsamen Brainstormings Vertrauen und Perspektiven. Heute plant er, sich operativ schrittweise zurückzuziehen und die Firma in eine zukunftsfähige, skalierbare Organisation zu überführen.
Tipps für Nachfolger
- Bestehende Beziehungen nutzen: Persönliche Kontakte im Unternehmen erleichtern den Übergang erheblich.
- Transparent kommunizieren: Regelmäßige Talk-Formate und offene Ansprache schaffen Vertrauen und erhöhen die Veränderungsbereitschaft.
- Kulturellen Wandel begleiten: Der Wechsel von tradierten Führungsstilen zu moderner Ergebnisorientierung braucht Zeit, Geduld und externe Unterstützung.
- Frühzeitig externe Kompetenz einbinden: Coaches und Berater mit Systemverständnis begleiten die Transformation gezielt.
- Flexible Finanzierungsstruktur: Ein Verkäuferdarlehen kann finanzielle Hürden bei der Übernahme überwinden.
- Nicht auf den perfekten Zeitpunkt warten: Vertrauen entsteht durch qualitative Gespräche, gemeinsame Visionen und aktives Engagement, auch gegen anfängliche Widerstände.
Ein Management-Buy-in wird vor allem durch Kommunikationsstärke, operative Kompetenz und kulturelles Gespür getragen. Mehr zum Weg in die externe Nachfolge zeigt der Leitfaden Unternehmen kaufen statt gründen. Dieses Recap stammt aus dem Nachfolge Monthly vom Mai 2025, dem monatlichen Format der Search Fund Community. Alle kommenden Termine findest Du unter Search Fund Events.