Self-Funded Search in der Praxis: Monthly mit Stephan Grund
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Stephan Grund entschied sich nach Jahren im Aufbau und in der Skalierung von Geschäftsmodellen bei Rocket Internet bewusst für den Einstieg in den deutschen Mittelstand. Sein Ziel: ein langfristiges eigenes Unternehmen, das er strategisch weiterentwickeln kann. Bei der Suche priorisierte er eigenkapitaldominierte Finanzierungsmodelle, um größtmögliche Unabhängigkeit zu bewahren, ergänzt um gezielte Fremdkapitalinstrumente.
Neun Monate Suche, über 100 Unternehmen
Über neun Monate hinweg sichtete Stephan mehr als 100 Unternehmen, rund 30 davon mit persönlichem Vor-Ort-Screening. Die Kombination aus Plattformrecherche (insbesondere DUB und DealCircle) und Brokerunterstützung führte zur OKM Detectors GmbH in Altenburg, einem Unternehmen mit stabilem Kern und technologischem Potenzial.
Konservative Finanzierung als Leitprinzip
Die Finanzierung kombinierte ein KfW-Darlehen mit Bürgschaft und langer tilgungsfreier Phase, die Finanzierung über die Merkur Bank als Hausbank, eine separate langfristige Immobilienfinanzierung sowie zwei Verkäuferdarlehen, die auf Wunsch der Bank nachrangig getilgt werden. Insgesamt wurde bewusst konservativ gerechnet, um eine Überhebelung zu vermeiden und in schwierigen Phasen handlungsfähig zu bleiben. Die Transaktion wurde durch eine strukturierte Preisgestaltung mit Earn-Out-Elementen und einem substanziellen Verkäuferdarlehen flankiert, das den bisherigen Inhaber auch nach der Übergabe eingebunden hielt und die Risiken ausgewogen verteilte.
Führung durch Präsenz
Nach der Übernahme pendelte Stephan von Montag bis Donnerstag nach Altenburg: Führung durch Sichtbarkeit. Er baute tragfähige Führungsstrukturen auf, führte eine moderne Unternehmenskultur ein und etablierte klare Kommunikationswege mit regelmäßigen Teamrunden. Herausforderungen waren unter anderem das Lieferantenmanagement und eine verbindliche Work-from-Office-Kultur nach Jahren informeller Strukturen. Eine Besonderheit war die Immobilie, die nicht wie gewünscht separiert werden konnte, sondern als Teil der operativen Gesellschaft übernommen wurde, mit eigener Finanzierungsstruktur und besonderer Abstimmung mit Bank und Verkäufer. Das Unternehmen führt er seither als „sellable asset": nicht als Verkaufsabsicht, sondern als Leitprinzip für strategische Klarheit, betriebswirtschaftliche Transparenz und Skalierbarkeit. Perspektivisch denkt er über die Skalierung der Managementstruktur und mögliche weitere Unternehmenskäufe nach.
Tipps für Nachfolger
- Realistische Zeitschiene einplanen: Die Unternehmenssuche kann viele Monate intensiver Arbeit erfordern, frühzeitige Strukturierung hilft.
- Transparent mit Banken und Verkäufern kommunizieren: Offene Gespräche über Erwartungen, Finanzierungsstruktur und Zeitrahmen schaffen Vertrauen und Handlungsspielräume.
- Nicht zu stark hebeln: Eine konservative Finanzierung sichert Handlungsfähigkeit, besonders in schwierigen Phasen.
- Operative und strategische Rollen differenzieren: Wer in der Übergangszeit stark operativ eingebunden ist, sollte früh eine zweite Führungsreihe aufbauen.
- Dokumentation nicht unterschätzen: Prozesse, Berichtswesen und Verträge sind im Mittelstand oft unterentwickelt, hier liegt enormes Wertpotenzial.
- Aus jeder Phase lernen: Suchen, Verhandeln, Führen, jeder Schritt liefert Learnings für den nächsten unternehmerischen Zyklus.
Was Self-Funded Search von anderen ETA-Modellen unterscheidet, erklärt der Leitfaden Unternehmen kaufen statt gründen. Dieses Recap stammt aus dem Nachfolge Monthly vom März 2025, dem monatlichen Format der Search Fund Community. Alle kommenden Termine findest Du unter Search Fund Events.